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Planspiel: Jugendkonferenz „Unsere gemeinsame Zukunft“

Der „Nahostkonflikt“ ist eine Jahrzehnte andauernde Auseinandersetzung über Territorien, der Frage nach dem Status von Jerusalem, aber auch über den Umgang mit Flüchtlingen und dem Thema Identität. Aufgrund seiner langen Dauer ist der Konflikt emotional, auch über die eigenen Ländergrenzen hinweg, aufgeladen. Die Kinder und Jugendlichen in Israel und Palästina, wachsen mit diesem Konflikt hautnah auf, der Teil ihrer Lebenswelt geworden ist. Gleichzeitig gab es immer wieder Bestrebungen und Versuche, Lösungen für den Konflikt zu finden, die oft gescheitert sind. Im Rahmen einer fiktiven Konferenz sollen nun junge Menschen zu Wort kommen und gemeinsam Ideen für Wege aus dieser festgefahrenen Situation entwickeln. Das hier vorliegende Planspiel basiert auf den Bausteinen der CRISP-Planspiele, welche urheberrechtlich geschützt sind,diese sind urheberrechtlich geschützt) und wurde in Zusammenarbeit der KIgA und CRISP entwickelt.

Allgemeine Informationen

Konzeptioneller Zugang

Das vorliegende Planspiel stellt den Versuch dar, im Rahmen eines pädagogischen Settings den „Nahostkonflikt“ auf die vier Themen Identität, Flüchtlinge, Jerusalem und Territorium herunterzubrechen, um somit Jugendlichen einen Zugang zur Komplexität des Konflikts zu ermöglichen. Die Jugendlichen verkörpern verschiedene Akteur*innen der Konferenz, die ein breites Meinungsspektrum abbilden, aber nicht für einen Staat oder Partei sprechen. Dabei geht es einerseits darum, einseitig wertende Konfliktdeutungen, dualistische Sichtweisen, kollektivierende Zuschreibungen und einseitige Schuldzuweisungen zu irritieren und kritisch zu hinterfragen. Andererseits geraten darüber hinaus Faktoren wie Antisemitismus, Nationalismus, religiöser Fundamentalismus und Rassismus in den Blick, um für derartige Formen vorurteilsbehafteten Denkens zu sensibilisieren.

Lernziele

Die Teilnehmer*innen (TN) werden für die Komplexität der Situation sensibilisiert. Die Lösung des Konflikts steht dabei nicht im Vordergrund. Vielmehr soll das Planspiel zur Versachlichung des Konflikts beitragen und die verschiedenen Wünsche transparent machen. Gleichzeitig lernen die TN die Lebenswelt der Menschen vor Ort kennen und setzen sich mit verschiedenen Ansichten und Meinungen zum „Nahostkonflikt“ auseinander. Das Planspiel soll zudem in seiner interaktiven und erfahrbaren Herangehensweise die TN in ihren Kommunikations-, Urteils, Konflikt- und Handlungskompetenzen stärken.

Material

Material-Download, Moderationskarten, Filzmarker, Flipchartpapier

Zeit

>180 MIN

 

Schritt 1: Vorbereitung

Ziel des Planspiels

Ziel des Planspiels „Jugendkonferenz – Unsere gemeinsame Zukunft“ ist es, dass die TN gemeinsam einen Aktionsplan mit Ideen und Lösungsansätzen für einen nachhaltigen Frieden in der Region entwickeln. Dabei verläuft das Spiel in verschiedenen Spielphasen.

Das Planspiel beginnt einige Monate nachdem sich alle Teilnehmer*innen bereits auf der 1. Konferenz näher kennengelernt haben, mit der Eröffnung der 2. Internationale Jugendkonferenz, auf der nun ein konkretes Ergebnis erzielt werden soll.. Wie auf der 1. Konferenz beschlossen, sollen für die Erarbeitung des Papiers (Aktionsplan) folgende Themen diskutiert werden:

  1. Identität;
  2. Flüchtlinge;
  3. Jerusalem und
  4. Territorium

Nicht nur im Konflikt selbst, sondern auch auf der Konferenz gibt es sehr unterschiedliche Meinungen zu diesen vier Konfliktfeldern. Auch wenn es nicht immer leicht ist, sich auf die Argumentation der „Gegenseite“ einzulassen, ist die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Perspektiven eine unabdingbare Voraussetzung der Konfliktlösung.

Das Planspiel findet in mehreren Abschnitten statt. Dabei werden immer zwei der Themen gemeinsam besprochen und verhandelt. Im ersten Abschnitt liegt der Fokus auf den Themen Identität und Flüchtlinge, im Zweiten auf den Themen Jerusalem und Territorien. Die Bearbeitung der Themen erfolgt dabei nach dem gleichen Schema: Zunächst lernen sich die TN in der Koordinierungsphase in ihren Rollen kennen (dieser Schritt ist nur relevant für den ersten Abschnitt), dann gehen die TN in Verhandlungen miteinander. Im Anschluss finden sich die TN im Konferenzsetting wieder, in dem Anträge zu den Themen vorgestellt werden und dann über diese entschieden wird. Sind Anträge für die ersten beiden Themen beschlossen, wiederholt sich der Ablauf für die beiden weiteren.

Das Planspiel kann auch nur für eines der Themen oder als Kombination von einem Teil der Themen durchgespielt werden. Es fällt dann der zweite Durchlauf weg.

 

Kennenlernen der Rollen (30 Min)

Den TN werden die Rollenkarten ausgeteilt sowie das Hintergrundmaterial. Sie erhalten nun Zeit, sich allein mit ihren Rollen und den damit verbundenen Meinungen und Zielen auseinanderzusetzen. Sie können dabei Fragen stellen und Unklarheiten mit der Workshopleitung besprechen.

Nachdem sich die TN inhaltlich mit ihren Rollen vertraut gemacht haben und für das Planspiel in ihre „neuen“ Rollen schlüpfen, verabschieden sie sich von ihren „alten“. Eine Linie wird mit Kreppband oder Kreide auf den Boden gemalt und alle TN stellen sich auf einer Seite der Linie auf. Jede Person nimmt das Namensschild ihrer „neuen Rolle“ und steigt über die Linie sinnbildlich in das Rollenprofil ein. Währenddessen kann die Person ein paar begrüßende Worte aus der neuen Rolle an die Gruppe richten. Am Ende befinden sich alle TN auf der anderen Seite der Linie. Dasselbe Ritual wird nach Beendung des Planspiels „zurück“ durchgeführt.

 

Schritt 2: Koordinierungsphase

Gruppenarbeit (30Min)

In der ersten Koordinierungsphase treffen sich die TN in Kleingruppen á 4-5 Personen, um sich über ihre exakten Ziele und Strategien auszutauschen. Dabei können bereits erste Ideen für den gemeinsamen Aktionsplan gesammelt und Allianzen geschmiedet werden. Die Kleingruppen können von den TN frei gewählt und immer wieder gewechselt werden, sollen aber allgemein „realistisch“ sein, d.h. Rollen deren Positionen sehr weit voneinander entfernt sind, werden nicht direkt eine Allianz schließen. Was wären denkbare inhaltlich passende Allianzen? Damit dient diese Phase dazu, dass sich die TN in ihren „neuen“ Rollen untereinander gut kennen lernen.

Während der Gruppenarbeit beraten die drei Moderationsrollen, wie sie die Aufgaben untereinander aufteilen Sie legen fest, wie sie die Konferenz eröffnen, wer den Ablauf der Konferenz für alle vorstellt und welche Regeln sowie Kommunikationsvorgaben sie für die Konferenz machen wollen und wer die Einhaltung dieser kontrolliert. Die jeweiligen Regeln und Aufgaben halten sie auf einem Flipchart fest.

 

Schritt 3: Konferenzbeginn (10Min)

Die Leitung der Konferenzen hat Kalila Nasser (Vorsitzende der Jugendorganisation Friedensinitiative für Israel-Palästina) inne. Sie wird dabei von 2 Co-Moderator*innen unterstützt. Gemeinsam begrüßen sie die TN, geben einen Überblick über den Ablauf der Konferenz, über allgemeine Regeln und Kommunikationsregeln und leiten die Konferenz ein.

 

Schritt 4: Verhandlung

Austausch (45min)

Nach dem feierlichen und offiziellen Beginn der Konferenz haben die TN Raum zur Verhandlung. In den Verhandlungsrunden haben die TN Gelegenheit, sich über die verschiedenen Positionen zu zwei der jeweiligen Themen offen auszutauschen und bereits auszuloten, mit wem Kompromisse möglich erscheinen. Die TN können außerdem mit anderen TN verhandeln, Anträge für das Ende der Konferenzvorbereiten, sich Maßnahmen für deren Finanzierung überlegen und auch Ressourcen für Anträge anderer TN einsetzen. In den Verhandlungen versuchen die Akteur*innen also, ihre eigenen Interessen deutlich zu machen und Unterstützung zu finden. Dafür können sich die TN frei im Raum bewegen und immer wieder Gesprächspartner*innen suchen und sich mit diesen austauschen.

 

Aktionen

Während der Verhandlungsphasen können die TN, neben der Möglichkeit mit Anderen Gespräche zu führen, eigene Aktionen durchführen. Diese Aktionen können entweder vor dem Planspiel gemeinsam mit der Workshopleitung als Möglichkeiten entwickelt und besprochen werden oder sie können frei von den TN während der Phase erdacht und durchgeführt werden. Die Aktionen fungieren als Irritationen des Prozesses oder als Möglichkeit maximale Aufmerksamkeit auf die eigenen Interessen zu lenken. Dabei können sich die TN bekannten Strategien aus der realen Welt bedienen, wie bspw. Streiks, Plakatkampagnen etc. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Die Workshopleitung trifft hier, abhängig von der Zielgruppe, vorab eine Entscheidung, welche Vorgehensweise sie wählt). Die Aktionen gehen über den Kreis der im Planspiel repräsentierten Akteur*innen deutlich hinaus. Im Folgenden sind beispielhaft einige Möglichkeiten aufgeführt:

  • Demonstrationen: TN basteln sich selber Plakate und stören den geplanten Ablauf indem sie spontan eine Demonstration abhalten
  • Klagen vor dem internationalen Gerichtshof: Die TN formulieren eine Klageschrift und drohen, diese vor dem internationalen Gerichtshof einzubringen. Sie bauen damit Druck auf.
  • Spendengelder für gemeinsame Aktionen akquirieren: TN sammeln für einen gemeinsamen Zweck Spenden. Sie basteln sich eine Spendendose und Plakate, mit denen sie durch den Raum gehen und sprechen Personen gezielt an. So erzielen sie maximale Aufmerksamkeit für ihr Anliegen und können neue Allianzen bilden und Unterstützer*innen gewinnen.

Die Aktionen können zur Vereinfachung des Planspiels auch weggelassen sie werden. Sie bieten eine zusätzliche Ebene, sind aber für das methodische und inhaltliche Gelingen nicht zentral.

 

Anträge

Die Anträge für das jeweilige Thema sollten während der Verhandlungen vorbereitet werden. Hier sollten die TN möglichst konkrete Maßnahmen vorschlagen, die in den „Aktionsplan“ aufgenommen werden sollten. Die Anträge sind damit die Verschriftlichung der eigenen Ideen, Vorschläge und Forderungen. Die Antragskarten müssen 10 Minuten vor Beginn der nächsten Konferenzrunde bei der Konferenzleitung abgegeben werden. Anträge, die zu spät eingereicht werden, müssen von der Konferenzleitung (Kalila Nasserl) nicht berücksichtigt werden.  Vorschläge können sowohl von Einzelnen als auch von Gruppen abgegeben werden. Alle TN erhalten mehrere Antragsformulare.

 

Presse & Nachrichtensendung (15Min)

Die Presse hat eine spezielle Funktion innerhalb des Planspiels. Sie repräsentieren einen unabhängigen Nachrichtensender. Während der Verhandlungen tritt die Presse an die unterschiedlichen TN heran, um von ihnen Kommentare oder Interviews zu erhalten. Diese werden dann während der Nachrichtensendung gezeigt, die nach jeder Verhandlungsrunde stattfindet.

Sie informiert, was in den vorangegangenen Aktionsrunden im Planspiel passiert ist. Hier können Akteur*innen Statements abgeben, und so die Zustimmung zu ihren geplanten Anträgen erhöhen. Die zwei anwesenden Journalisten*innen (Rollenprofile Journalist*innen), können während des Spiels gezielt Fragen an die Teilnehmenden stellen und versuchen, Informationen über den Verlauf der Jungendkonferenz zu generieren. Die Ergebnisse stellen sie dann während der Nachrichtesendung vor. Um dies realistischer zu gestalten, kann eine kleine Newsstation im Raum aufgebaut werden. Zum Zeitpunkt der News berichten die beiden Journalist*innen dann vor der Klasse), was sich zuvor in der Verhandlung abgespielt hat mit einem Fokus auf die wichtigsten Ergebnisse. Die News sollten höchstens 15 min. dauern. 

 

Schritt 5: Konferenz

Konferenz-Wiederaufnahme (5Min)

Die Moderation begrüßt die TN zurück am Konferenztisch, nimmt die Konferenz wieder auf und erläutert die nächsten Schritte.

 

Vorstellung der Anträge & Diskussion (40Min)

Moderiert durch die Konferenzleitung stellen die TN nacheinander ihre Anträge für zwei der Themen kurz vor. Dabei achtet die Moderation auf eine strikte Einhaltung der Zeitvorgaben von 3Min pro Antrag. Im Anschluss an die Präsentationen der Anträge können die TN auf das Gehörte reagieren, Nachfragen stellen und miteinander diskutieren.

 

Abstimmung (15Min)

Nach der Diskussion wird über die Anträge einzeln abgestimmt. Stimmberechtigt sind alle Teilnehmenden der Konferenz, außer der Moderation selbst und den Journalisten*innen. Ein Antrag gilt als angenommen, wenn er bei der Abstimmung 10 Stimmen erhält (außer die Moderation bestimmt in Absprache mit den Teilnehmenden eine andere Regelung). Die angenommenen Anträge werden gut sichtbar auf einem Flipchart festgehalten.

Nachdem fest steht, welche der Anträge im Hinblick auf die Themen Identität und Flüchtlinge eine Mehrheit gefunden haben, gehen die TN in erneute Verhandlung zu den beiden übrigen Themen und der Ablauf wiederholt sich.

 

Schritt 6: Abschluss der Konferenz (10Min)

Nachdem auch für die Themen Jerusalem und Territorium über Anträge abgestimmt wurde, bedankt sich die Moderation bei allen TN für die konstruktive Teilnahmen. Sie liest dann gesammelt alle verabschiedeten Anträge vor, die nun den gemeinsamen Aktionsplan bilden. Die Moderation erklärt daraufhin die Konferenz für beendet.

 

Schritt 7: Zusammenführung (45Min)

Die TN streifen mit dem in Schritt 1 beschriebenen Ritual ihre Rollen ab. Daraufhin finden sich alle TN in einem Stuhlkreis ein und reflektieren mit der Workshopleitung das Erlebte. Häufig ist es sinnvoll mit einer emotionalen Auswertung zu beginnen und anschließend auf die inhaltliche Ebene zu wechseln. Dabei sollten in der Reflexion folgende Facetten angesprochen werden:

  • Meine Rolle: Wie ging es dir mit deiner Rolle? Was war für dich herausfordernd? Wo fiel es dir leicht dich hineinzuversetzen? Wie haben die anderen deine Rolle wahrgenommen?
  • Die Verhandlungen: Wo gab es Schnittpunkte mit den anderen? Wo gab es starke Unterschiedlichkeiten und Konflikte? Wie bist du vorgegangen, welche Ziele hast du dir gesteckt? Wie bist du mit der Presse umgegangen?
  • Die Konferenz: Wie hast du die Konferenz erlebt?  Wie hast du die Gesprächskultur wahrgenommen? Wie hast du die Moderation eingeschätzt? Mit welchen Ergebnissen bist du zufrieden?
  • Metaebene: Was für Schlüsse kann man aus dem Planspiel für den „Nahostkonflikt“ ziehen? Welche eurer Lösung wäre vielleicht auch eine Lösung für den realen Konflikt? Was würdet ihr euch wünschen?

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